Übungen
Übung 1
Ihre Studentin Anna, die sich von einer Essstörung erholt, ist gerade aus dem Unterricht gerannt, weil sie den Inhalt angreifend fand. In der Klasse war eine Diätassistentin zu Gast, die über Diäten, Körperbild und gesunde Ernährung sprach, als ein Mitstudent eine implizit beleidigende Bemerkung über Gewicht und Body-Mass-Index machte. Dies löste bei Anna einen Schock aus, der sie veranlasste, aus dem Klassenzimmer zu rennen. Auch Sie verlassen den Unterricht, um nach ihr zu sehen, und finden sie mit besorgtem Gesichtsausdruck auf dem Flur auf und ab gehend.
Welche der folgenden Optionen sind in diesem Fall die richtige Antwort?
A. Ich dachte, du hättest dich von deiner Essstörung erholt. Warum stört dich das?
B. Mir ist aufgefallen, dass du aus der Klasse gerannt bist, nachdem dein Mitschüler diese unsensible Bemerkung gemacht hat. Willst du darüber reden, wie du dich fühlst, oder brauchst du Zeit für dich?
C. Komm zurück in den Unterricht, du willst doch nicht alles verpassen und in Rückstand geraten.
Richtige Antwort: B
Übung 2
Fallbeispiel
- Suzies (13 Jahre alt) Mutter starb vor einem Jahr an Covid-19, und Suzie hat es in der Schule immer noch schwer. Manchmal scheint sie temperamentvoll zu sein und mit ihren Klassenkameraden auf dem Schulhof zu spielen, während sie ein anderes Mal sichtlich berührt und emotional wird und sich von Aktivitäten und sozialen Interaktionen zurückzieht. Suzie hat Schwierigkeiten, nachts zu schlafen und sich in der Schule zu konzentrieren. Letzte Woche haben Sie Suzie im Unterricht beim Weinen erwischt. Im Gespräch mit Ihnen erzählte sie Ihnen, dass sie sehr traurig ist und sich auch schuldig fühlt, wenn sie mit ihren Mitschülern während der Pausen Spaß hat. Sie sagte, sie vermisse ihre Mutter und es falle ihr schwer, mit der Schule zurechtzukommen.
Wie würden Sie auf Suzie reagieren?
Wichtige Punkte, die zu beachten sind
- Hören Sie sich die Geschichte der Schülerin aktiv und unvoreingenommen an.
- Erkennen Sie die Gefühle und Gedanken der Schülerin an, bestätigen Sie sie und normalisieren Sie sie.
- Ermutigen Sie sie, mit ihren Verwandten über ihre Gefühle zu sprechen und erklären Sie ihr, dass es wichtig ist, ihre Trauer mit ihrer Familie zu teilen. Erinnern Sie sie daran, wie wichtig es ist, um Hilfe zu bitten, wenn sie sie braucht.
- Sie könnten auch mit ihr besprechen, wie sie die Erinnerung ihrer Mutter aufrecherhalten kann.
- Besprechen Sie mit ihr, was Sie tun können, um sie im Unterricht zu unterstützen, wenn sie sich überfordert fühlt.
- Es tut mir leid zu hören, dass du sehr traurig bist. Trauer ist für jeden ein schwieriger Prozess, und es ist in Ordnung, wenn du traurig bist und deine Mutter vermisst.
- Wir können nicht den ganzen Tag traurig sein, es ist natürlich und menschlich, die Gesellschaft eines Freundes zu genießen. Das bedeutet nicht, dass du deine Mutter nicht vermisst, du liebst sie und erinnerst dich gern an sie.
- Hast du mit deiner Familie darüber gesprochen, wie du dich fühlst? Manchmal fühlen wir uns besser, wenn wir mit unseren Angehörigen darüber sprechen, wenn wir eine schwierige Zeit haben. Wir können schwierige Situationen nicht allein bewältigen. Es ist sehr wichtig, dass du um Hilfe bittest, wenn du dich überfordert fühlst. Wenn du nicht weißt, was du sagen sollst, versuche, einen Zettel zu schreiben über deine Geühle und was dir durch den Kopf geht, und gib diesen Zettel jemandem, der dir nahe steht.
- Manche Menschen empfinden es als wohltuend, einen kleinen Gegenstand bei sich zu tragen, der sie an den geliebten Menschen erinnert (z. B. ein Foto) – würdest du das auch gerne tun?
- Wenn du das nächste Mal sehr traurig bist, kannst du mir Bescheid sagen, und ich könnte deine Familie anrufen oder dich mit einem Psychologen vernetzen, der dir in dieser schwierigen Zeit helfen kann.
